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Das Emmendinger Feuerlöschwesen im Wandel der Zeit

 

Das Jahr 1860 war nicht nur von großer Bedeutung für das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt Emmendingen. Es zeichnete sich auch durch die Gründung einer Vereinigung aus, welche sich zur Aufgabe gemacht hat, auf eine neue und eigentümliche Art und Weise dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen. Gemeint ist die Freiwillige Feuerwehr. Der Gedanke eines organisierten Feuerlöschwesens ist aber nur scheinbar so jung. Neben Krieg, Krankheit und Naturkatastrophen galt als größte Gefahr für die Menschheit schon immer das Feuer. Deshalb wurde die Notwendigkeit, für den Eintritt einer Feuersgefahr gerüstet zu sein, schon früh erkannt. Vor allem die Bürger einer Stadt hatten bei ihren vielfältigen Rechten und Pflichten u.a. auch die Aufgabe, im Falle eines Brandes Hilfe zu leisten. So war es auch in Emmendingen.

 

Das Feuerlöschwesen im alten Emmendingen

 

In „der Stadt Emmendingen Freyheits- und Ordnungs Buch de 1590“, durch welches die Verhältnisse der von Markgraf Jacob III. von Baden und Hachberg in diesem Jahr zur Stadt erhobenen Gemeinde ihre erste Regelung erfuhr, ist die älteste Emmendinger Feuerordnung überliefert. Sie beinhaltet, „weßen sich ein jeder Burger in Emmendingen in fürfallenden Feuersnöten zu verhalten“ habe, und wurde „durch Burgermeister und Gericht geordnet im letzten May Anno 1597". Insonderheit sind darin die Personen bestimmt, die im Falle eines Feueralarms (solcher erfolgte damals durch zwei Schüsse von der Hochburg herab) „ohn verzogentlich, Jeder mit einem Pferd, bey dem RathHauß“ zu erscheinen hatten. Ihnen fiel die Aufgabe zu, den Feuerwagen auszuführen, der die Feuerspritze und die anderen notwendigen Geräte, wie Feuerleitern und Feuerhaken, enthielt, oder als Feuerreiter zu dienen. Darüberhinaus mußte jeder Bürger mit einem Feuereimer, zu dessen Anschaffung er bei der Bürgeraufnahme verpflichtet wurde, am Brandplatz erscheinen und beim Löschen helfen.

 

„...mit einem Geschrey die Hülfe herbey bringen“

 

Auch die Obrigkeit kümmerte sich um das Feuerlöschwesen. Im Stadtarchiv sind „Hochfürstlich Markgräflich Baden-Durlachische“ Feuer-Ordnung aus dem Jahre 1672, 1685 und 1715 aufbewahrt. In der letzten tut Markgraf Karl Wilhelm von Baden und Hachberg „kund jedermänniglich“, dass dergleichen Ordnung, „wie der durch Gottes unerforschliches Verhängnisvom unvorsichtigen Feuer entstehenden Schaden abgewendet und getilget werden möge, guten theils außer Augen gesetzet und bey gegebenen Fällen schlecht geübet, infolglich der angeregte Zweck nicht erreichet worden seye“. In 50 „Artikeln“ sind hier Vorschriften für den Feuerschutz gegeben. Um ein Feuer, wenn es trotz „guter Vorsorge auskommen sollte“, leichter „dämpfen“ zu können, sollte „jede Haushaltung immerfort einen zimmlichen Vorrath an Wasser, und deswegen wenigstens ein oder zwey zimmliche Küberl angefüllet stehen haben, auch solche des Winters gegen den Frost wohl verwahren. Wo auch des Orts Zustand es erleyden will, sollen ein oder mehr große neben verschiedenen kleinen Feuerspritzen angeschaffet, jederzeit in brauchbarem Stand erhalten, zu dem Ende alle Quartal besichtiget, und sonderlich zu Sommer-Zeiten mit Wasser stets angefüllet und zum Gebrauch stündlich fertig gehalten werden"“ In einem anderen Artikel ist vermerkt, , dass „wann ein Feuer irgenswo vermerket würde, die Inwohner des Hauses sich nicht unterstehen sollen, selbiges unter sich allein zu dämpfen, sondern sogleich ihren Nachbaren zu Hülfe rufen sollen. Thäten die Nachtwächter ein Feuer und Flammen sehen, sollen sie alsobald auf der Gasse mit einem Geschrey die Hülfe herbey bringen“.

„...wann dann Sturm geschlagen wird...“

Bei einem Alarm, so heißt es in dieser Feuer-Ordnung, „wann dann Sturm geschlagen wird, sollte ein jeder Inwohner mit Hindanlegung seiner Arbeit an den Orts der Feuers-Brunst nach dem Zustand seiner obhabenden Schuldigkeit entweder mit Beyführ – und mit sich Nehmung der zum löschen und anderen benothigten Instrumenten oder mit Wasser angefüllten Eymern eylen, sodann der Anweisung derer ihm Vorgesetzen fleißig nachleben, auch daselbst bis zu gestillter Gefahr und erlangtem Urlaub ohnausgesetzt zu verbleiben.

 

Die Motorisierung der Wehr

 

Bald folgten die Jahre des Ersten Weltkrieges. Obwohl zahlreiche Mitglieder zum Wehrdienst eingezogen worden waren, gewährleisteten die Daheimgebliebenen den Feuerschutz. 153 Mitglieder hatte die Wehr am 1. Januar 1912 gezählt; am 31. Dezember 1918 war sie noch 138 Mann stark. Drei Mitglieder waren nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt. Wenn auch die Zeit der Geldentwertung für Anschaffungen nicht günstig war, so wurden doch alle Anstrengungen unternommen, um die Wehr modern auszurüsten. Im Mai 1922 wurde eine Magirus-Patentleiter angeschafft, eine dreiteilige, mit allen technischen Neuerungen ausgestattete Leiter, die eine Steighöhe von 18 Metern hatte. Durch freiwillige Spenden der Industrie- und Handwerksbetriebe, des Handels und einer breiten Schicht der Bevölkerung und durch weitgehende Unterstützung der Stadt war es möglich, noch im gleichen Jahr „eine automobile Motorfeuerspritze“ anzuschaffen, die 2,2 Millionen Mark kostete. Die Direktion der Ersten Deutschen Ramie-Gesellschaft hatte diese Anschaffung  nicht nur weitgehend gefördert, sondern half auch die Frage der Unterbringung, Pflege und Bedienung der Maschine durch ihre Kraftfahrer lösen. Über zehn Jahre stand diese große Motorspritze in der im Winter geheizten Garage der RAMIE.

 

Ein Rettungszug an der Weckerlinie

 

Mit der Übernahme der Motorspritze fiel im Organisationsplan der Feuerwehr die Steigermannschaft. An ihre Stelle trat der Rettungszug, dem die Bedienung der Motorspritze in Verbindung mit der bisherigen Steigertätigkeit übertragen wurde. Die bin dahin von den Steigern getragenen Einhängeleitern wurden fortan von der Motorspritze mitgeführt. Zu gleicher Zeit  wurde auch die Weckerlinie eingerichtet, durch die die Mitglieder des Rettungszuges ohne Beunruhigung der Bevölkerung durch einen Knopfdruck von der Polizeiwache im Rathaus in ihren Wohnungen durch eine Glocke alarmiert werden konnten. Damit entfiel die früher bei jedem Brand notwendige Alarmierung des ganzen Korps, das nun nur noch bei größeren Bränden durch Hupensignale zusammengerufen wurde.

 

Zur Alarmierung der Wehr: eine Viertelstunde

 

Während nun durch die Weckerlinie die Alarmierung des Rettungszuges in Sekundenschnelle ausgelöst werden konnte, lief die Alarmierung des gesamten Feuerwehrkorps noch sehr langsam durch die Stadt, in der zahlreiche Alarmstationen – im Jahre 1911 waren es zwölf – festgelegt  waren. Der Ausbruch eines Brandes in der Stadt wurde durch drei kurze Hupenstöße angegeben. Dieses Feuersignal wurde von der nächsten Station abgenommen und weitergegeben, so dass „innerhalb einer Viertelstunde bei vorschriftsmäßiger Handhabung die ganze Feuerwehr alarmiert werden konnte“. Das Wachsen der Stadt aber zwang das Feuerwehrkommando, nach einer anderen Möglichkeit der Alarmierung zu suchen. In einem Schreiben an den Gemeinderat wies am 7. Juli 1924 der damalige Kommandant Ludwig Toussaint darauf hin, dass „durch die räumliche Ausdehnung der Stadtgemeinde die rechtzeitige und sichere Alarmierung der gesamten Wehr nicht mehr gewährleistet“ sei, „zumal es sich auch in den letzten Jahren erwiesen hat, dass den Alarmhupen nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird, nachdem Tag und Nacht Automobile mit ähnlichen tötenden Alarmhupen die Stadt durchfahren.“ Aus diesem Grunde sei die Anschaffung einer modernen, elektrisch betriebenen Alarmsirene, die im ganzen Stadtgebiet deutlich vernehmbar sei, unumgänglich notwendig. Die Feuerwehr selbst sei bereit, 500 Mark, die ihr vom Wehrle-Werk nach dem Brandunglück als Spende überlassen worden sei, für die Anschaffung zuzuschließen, obwohl dieser Betrag für die Mannschaftskasse „gemünzt war“. Zwei Tage später schon beschloss der Emmendinger Gemeinderat die restliche Summe zur Verfügung zu stellen, und ein Jahr später (1925) wurde im Turm der Evangelischen Stadtkirche die Sirene montiert. Noch heute befindet sich dort oben eine Sirene.

 

Weiterer Ausbau der Wehr

 

Unablässig wurde in den kommenden Jahren am weiteren Ausbau der Emmendinger Feuerwehr gearbeitet. Die Satzung und die Dienstordnung wurden den neuen Gegebenheiten angepasst und die neugegründete Reservemannschaft, in die sich jedes Mitglied nach 25-jähriger Dienstzeit versetzen lassen konnte, darin einbezogen. Ende 1931 war die Wehr 153 Mann stark. Im April 1932 beschloss der Verwaltungsrat die Einführung einer Warteliste und setzte die Stärke der Wehr auf 120 Mann fest; nicht eingerechnet in diese Zahl wurden die Spielleute und die Reservemannschaft. Durch viele Proben wurde ein guter Ausbildungsstand erreicht, der sich auch bei zahlreichen Überlandbrandhilfen bemerkbar machte und die Wehr immer wieder lobende Anerkennung einbrachte. Der Erfolg der vielen Proben zeigte sich unter anderem bei dem Großfeuer am 8. Januar 1932 in der Ramie; wohl waren noch sieben andere Feuerwehren zu Hilfe gekommen, aber anerkennend wird in mehreren Brandberichten verzeichnet, dass es nur dem außerordentlich raschen Erscheinen der Emmendinger Wehr zu danken gewesen sei, dass die Werke nicht alle vernichtet wurden.

 

Den alten Charakter bewahrt

 

Stetige Einsatzbereitschaft und gute Kameradschaft bildeten das Fundament der Emmendinger Wehr. Gerade dieser Geist wurde dann einer schweren Belastungsprobe ausgesetzt, als nach 1933 Staats- und Parteidiktatur in das gesunde Eigenleben der Feuerwehr eingriffen, ihre Organisation durch Gleichschaltung zur „Feuerlöschpolizei“ schematisierte und an die Stelle der bewährten demokratischen Konstitution das Führerprinzip setzte. Immerhin war die eigene Tradition der Emmendinger Wehr so groß und stark, dass sie im Wesentlichen ihren alten Charakter bewahrte, bis der Zweite Weltkrieg ihre Reihen lichtete und sie vor neue Aufgaben stellte. Zuvor war der Maschinenpark  noch erweitert worden. Nachdem schon vorher Sprengwagen als Hilfsmotorspritze Verwendung gefunden hatte, wurde im Jahre 1937 aus dem Besitz des Fürsten von Fürstenberg ein Personenwagen gekauft und als Mannschaftswagen umgebaut, der eine tragbare Motorspritze mit sich führen konnte. Im Jahre 1939 wurde eine moderne automobile Drehleiter mit 27 Meter Steighöhe angeschafft, die eine noch bessere Brandbekämpfung gewährleistete.

 

In den Feuerstürmen der Bombenbrände

 

Sehr große Anforderungen stellten die Kriegsjahre an die Wehr. Fast die Hälfte der Mitglieder wurde zum Wehrdienst eingezogen, wodurch in den Reihen der Mannschaft große Lücken entstanden. Im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg trat jedoch in der allgemeinen Entwicklung der Feuerwehren keine Stockung ein, vielmehr wurde eine weitere Vervollkommnung der Ausbildung vorgenommen. Da die im Jahre 1922 angeschaffte Motorspritze den Anforderungen nicht mehr voll genügte, wurde 1944 die Anschaffung eines neuen schweren Löschgruppenfahrzeuges mit einer Wasserleistung von 1500 Litern notwendig. Am 3. Januar 1945 wurde die alte Motorspritze beim Fliegerangriff auf die Klosterbrennerei in der Garage im Hof des Sparkassengebäudes nahezu völlig zerstört, was für die Wehr einen großen Ausfall bedeutete. Auch das neue Löschgruppenfahrzeug wurde beim Fliegerangriff auf die RAMIE am 28. Februar 1945 stark beschädigt, konnte aber wieder instandgesetzt werden. Die wenigen noch in der Heimat verbliebenen Feuerwehrmänner wurden durch die Unzahl der Alarme, Bereitschaften, durch die Einsätze bei Bränden und Überlandhilfen sehr stark in Anspruch genommen. Erinnert sei an die in Emmendingen durch Fliegerangriffe ausgelösten Brände in der Klosterbrennerei, der Ramie und der Vollrath-Mühle, um nur die größeren zu nennen. Und erinnert sei an ihren Einsatz gegen die Feuerstürme in Karlsruhe und Freiburg, wo sie furchtlos und tapfer gegen die grenzenlos entfesselte Wut der Elemente kämpften. Im Dankschreiben der Stadt Karlsruhe an die Emmendinger Wehr wurde die „hohe Anerkennung für die hervorragenden Leistungen der Emmendinger Feuerwehrmänner anlässlich des Großbrandes am 27. und 28. September 1944 zum Ausdruck gebracht“. Große Hilfe leistete die Emmendinger Wehr auch bei den Bränden in Riegel, Kenzingen, Endingen, Denzlingen und Maleck. Ein Dankschreiben – es steht für viele – sei hier angeführt. Es stammt vom Bürgermeisteramt Endingen in Dankbarkeit und Anerkennung der Emmendinger Freiwilligen Feuerwehr gedenkt, die in unzähligen Fällen der Endinger Bevölkerung  Hilfe geleistet hat. „Jederzeit stand sie hilfsbereit uns zur Seite. Ganz besonders gedenken wir jener schweren Stunden während des Krieges, als es galt, unter Beschuss von der Ferne oder aus der Luft, unsere Stadt vor der Vernichtung zu retten. Die Emmendinger Wehr wird stets einen Ehrenplatz in unseren Annalen einnehmen.“ Wie immer und überall haben die Männer auch hier voll und ganz sich bewährt, haben ihre Pflicht bin zum äußersten erfüllt, noch größeren Schaden verhütet. Sie haben ein besonderes Blatt der Anerkennung im Chronikbuch der Wehr verdient.

 

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Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Emmendingen wurde unter Zugrundelegung der 1960 von Redakteur Hanns Hatz erstellte Chronik bearbeitet von Stadtarchivar Ernst Hetzel.