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postheadericon Man muss schon angefressen sein

BZ-INTERVIEW mit dem scheidenden Kreisbrandmeister Jörg Berger und seinem Nachfolger Christian Leiberich.

KREIS EMMENDINGEN. Die Feuerwehr im Kreis steht vor einer Zäsur: Mit Kreisbrandmeister Jörg Berger geht nach einem Vierteljahrhundert der oberste Feuerwehrmann in den Ruhestand – er gibt das Amt an Christian Leiberich ab. Marius  EMLK112Alexander und Patrik Müller sprachen mit beiden.

BZ: Herr Berger, Sie sind seit 1994 Kreisbrandmeister. Jetzt ist Schluss. Ihr Fazit?

Berger: Ich war gerne Kreisbrandmeister. Und ich bin sehr zufrieden, wie sich die Feuerwehr in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: Die Ausstattung ist besser geworden, auch das Ausbildungsniveau der Kommandanten hat sich verbessert.

BZ: Herr Leiberich, warum wollten Sie Kreisbrandmeister werden?

Leiberich: Beworben habe ich mich, weil ich Feuerwehrmann aus Leidenschaft bin. Ich war jetzt 16 Jahre im Regierungspräsidium. Da habe ich mich zwar auch mit dem Thema beschäftigt, war aber weiter weg von der Basis. Ich wollte die Möglichkeit haben, mehr direkt mit unseren Ehrenamtlichen zu arbeiten und mehr rauszukommen – sei es bei Einsätzen, sei es bei der Ausbildung.

BZ: Sie waren auch Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg-Wiehre. Seit Oktober sind Sie in Emmendingen. Was ist anders?

Leiberich: In Freiburg gibt es eine Berufsfeuerwehr, da ist die Struktur des Ehrenamtes eine ganz andere. Die Berufsfeuerwehr arbeitet im Alltagsgeschäft viel ab, damit hat man bei der Freiwilligen Feuerwehr dann weniger zu tun als im Kreis Emmendingen. Da fehlt dann manchmal auch die Routine, wenn mal etwas passiert. Aber auch in Freiburg sind die Einsatzzahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

BZ: Der Kreisbrandmeister ist der einzige Profi-Feuerwehrmann im Kreis – und muss mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten, die ihr Geld woanders verdienen. Das ist sicher manchmal kompliziert.

Leiberich: Da mache ich mir gar keine Sorgen. Ich komme wie Jörg Berger aus der Freiwilligen Feuerwehr. Wir hatten nur das Glück, dass wir unser Hobby zum Beruf machen konnte. Aber: Wir wissen beide, wie Ehrenamt tickt – das ist sicher anders, wenn man aus einer großen Berufsfeuerwehr kommt und keinen ehrenamtlichen Hintergrund hat.


Berger: Ich war bis vor zwei Jahren noch ehrenamtlicher Kreisbrandmeister, dann wurde das Gesetz geändert. Meine Wiederwahl war erfreulicherweise immer einstimmig. Die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen war unproblematisch – man arbeitet ja am selben Ziel.

BZ: Gibt es im Kreis genug Freiwillige?

Leiberich: Wir haben 1700 Aktive, das ist eine ordentliche Zahl. Dazu kommen noch einmal 500 Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Nachwuchs ist da.

Berger: Nachts haben wir immer genug Leute. Schwierig wird es tagsüber, vor allem in kleineren Orten. Feuerwehrleute sitzen ja nicht da und warten, bis es endlich brennt – und sie sind oft wegen ihrer hohen Sozialkompetenz auch im Beruf nicht ungeschickt.

Leiberich: Die Situation hat sich verändert. Früher hatte jeder Arbeitgeber Verständnis, wenn ein Feuerwehreinsatz war. Davon können Sie heute nicht mehr ausgehen. Viele Firmen stehen ja unter Druck, haben Aufträge zu erfüllen.

BZ: Apropos Verständnis: Viele Retter klagen über Behinderungen und Angriffe. Wie ist die Situation im Kreis?

Berger: Das ist leider die Realität. Viele bilden keine Rettungsgasse auf der Autobahn. Das erste Fahrzeug, das durchmuss, hat dann Riesenprobleme. Gaffer gibt es auch. Ich habe das selbst erlebt, dass im Auto ein Schwerverletzter liegt – und auf einmal steht jemand da und knipst.

Leiberich: Der Respekt gegenüber Einsatzkräften leidet. In Freiburg sind Feuerwehrangehörige an Silvester schon mit Raketen beschossen worden.

Berger: Wir von der Feuerwehr haben da im Kreis bisher weniger Probleme gehabt. Aber an Fasnacht erlebt man alles.

"Wir wissen beide, wie Ehrenamt tickt" Christian Leiberich


BZ: Was unterscheidet den alten vom neuen Kreisbrandmeister?

Berger: Er ist jünger. Im Ernst: Ich kenne Christian Leiberich schon lange, er hat die gleiche Einstellung zum Beruf wie ich – und wird hoffentlich einiges anders machen. Auch ich hatte einen sehr guten Vorgänger und habe zwangsläufig einiges anders gemacht, das liegt in der Natur der Sache.

Leiberich: Das sehe ich auch so. Jörg Berger ist eine Autorität in der Feuerwehr, sein Wort hat überall massives Gewicht und ist auch auf Landesebene respektiert. Das sind große Fußstapfen. Dieses Standing habe ich jetzt natürlich nicht.

Berger: Das ging mir damals genauso.

BZ: Wissen Sie schon, was Sie anders machen werden?

Leiberich: Bis vor zwei Jahren gab es Schulungsabende für Kommandanten und Zugführer. Das wollen wir gemeinsam mit dem Kreisfeuerwehrverband umstellen. Es soll zu einer Ein-Tages-Veranstaltung werden, mit Workshops und Vorträgen, aber vielleicht auch einer Fachausstellung von einigen Herstellern. Ich stelle mir da einen informativen Tag mit Nutzwert vor. Der Feuerwehrangehörige muss hinterher sagen können: Es hat sich gelohnt, einen Tag meiner Freizeit für das Ehrenamt zu opfern – heute habe ich was Neues dazu gelernt.

BZ: Herr Berger, nach mehr als zwei Jahrzehnten als Kreisbrandmeister – welcher Tag war der stressigste?

Berger: Das war der Sturm Lothar im Dezember 1999. Ununterbrochen gingen Notrufe ein, von zehn Uhr morgens bis 18.30 Uhr abends – weit über 1000 Stück. Normalerweise haben wir 1300 bis 1500 Alarmierungen im Jahr.

BZ: War das auch ihr schwerster Tag?

Berger: Nein, das war im November 2007. Da ist bei einem Unfall in Kollnau eines unserer Fahrzeuge abgestürzt – und ein Kamerad ist eine Woche später gestorben.

BZ: Herr Berger, der Kreisbrandmeister muss regelmäßig nachts und am Wochenende raus. Wird Ihnen ihr Piepser fehlen?

Berger: Nach über 40 Jahren aktivem Feuerwehrdienst: nein. Auch für die Familie, die immer mitalarmiert wird, ist es zukünftig ruhiger. Wenn man das nicht gerne macht, geht das natürlich nicht. Man darf die Einschränkung, die dieser Beruf für die Familie mitbringt, aber nicht unterschätzen.

Leiberich: Man muss schon angefressen sein, als Ehrenamtlicher und als Profi. An 365 Tagen im Jahr ist der Piepser an. Wenn etwas ist, rennt man los – auch, wenn man auf einer Familienfeier ist. Das unterscheidet den Feuerwehrmann vom Trainer im Fußballverein: Er weiß nie, wann das Spiel ist.


ZUR PERSON: Jörg Berger und Christian Leiberich

Jörg Berger (65) trat 1971 in Denzlingen in die Wehr ein. 1989 übernahm er die Leitung des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz, 1994 wurde er Kreisbrandmeister. Sein Nachfolger Christian Leiberich (40) lebt in Gundelfingen. Er stammt aus Crailsheim und ist Feuerwehrmann in der fünften Generation – auch sein zwölfjähriger Sohn sammelt schon Erfahrungen in der Jugendwehr. Der Diplom-Verwaltungswirt Leiberich war zuvor beim Regierungspräsidium Freiburg als feuerwehrtechnischer Sachbearbeiter tätig und war ehrenamtlicher Kommandant der Feuerwehr Freiburg-Wiehre.



Quelle: bz-online / Foto. P. Müller