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postheadericon So bereiten sich Feuerwehrleute bei 350 Grad auf ein Flammeninferno vor

Atemschutzträger sind eine spezielle Gruppe von Feuerwehrleuten: Sie müssen enorme psychische Belastungen aushalten. 420 von ihnen können nun unter besonders harten Bedingungen den Ernstfall trainieren

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Seit der vergangenen Woche werden im Hof des Emmendinger Feuerwehrgerätehauses die Atemschutzgeräteträger aus dem Landkreis an einer der aktuell modernsten Brandsimulationsanlagen ausgebildet. Dabei gab es am Montag die Gelegenheit, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich ehrenamtliche Feuerwehrleute unter realistischen Bedingungen auf ihre gefährlichen Einsätze vorbereiten.

Im Grunde steht auf dem Hof nichts anderes als ein riesiger Backofen. Ein Ungetüm, dessen Metallwände ein Treppenhaus, einen Kellerraum, einen Flur und ein Wohnzimmer umschließen. Auch die Innenausstattung besteht aus geschwärztem Metall: Regale, Schränke und eine unbequeme Sitzgruppe. Aus ihr werden gleich die ersten Flammen schlagen und den Raum in Sekundenbruchteilen in eine glühend heiße Falle für jedes lebendige Wesen verwandeln.

Der Sauerstoff reicht in der Flammenhölle für genau 30 Minuten


200 Kilogramm Propangas (zum Vergleich: Die Flasche für den üblichen Terrassengrill wiegt fünf Kilo und reicht in der Regel für einen Sommer) werden dafür sorgen, dass während der Übung die Temperatur auf bis zu 350 Grad ansteigen wird. "Der große Vorteil dieser gasbefeuerten Anlage ist es, dass so keine Schadstoffe entstehen und der Raum und die Anzüge nicht kontaminiert werden", erklärt Christian Leiberich, der neue Kreisbrandmeister.

Auf dem Dach hören die beiden Feuerwehrmänner aus Buchholz, die als nächstes an der Reihe sind, die Flammen brüllen, sehen den Rauch aus den Öffnungen des Containers steigen, checken noch einmal kurz die Ausrüstung des Partners und öffnen dann die Tür zur Eisentreppe, um in das Inferno hinabzusteigen.

Gut dreißig Kilogramm wiegt ihre Ausrüstung, auf die sie sich jetzt verlassen müssen. Bis zu 1200 Grad könne der Anzug kurzfristig aushalten, knapp 1500 Euro kosten Jacke und Hose aus Hightech-Material, erläutert Leiberich. Aber der Blick durch die Scheiben der Atemschutzmaske ist eingeschränkt; auf ihrem Rücken tragen sie Gasflaschen – für 30 Minuten reicht der Sauerstoff.

Die Übung: Eine versteckte Gasflasche finden, die zu explodieren droht


Die psychische Belastung in dieser Situation ist nur zu erahnen. In den Container müssen sie zuerst, entgegen aller erlernter Feuerwehrregeln, über das Feuer unter der Treppe steigen, den ersten Brandherd bekämpfen und dann im Seitenkriechgang (die giftigsten Dämpfe sind immer oben!) vorsichtig in die Wohnung vordringen. Zwei Rauchmaschinen haben die Sicht bereits auf Bleistiftlänge verkürzt. Die Aufgabe der beiden jungen Feuerwehrleute ist jetzt nicht nur das Löschen der Brandherde – sie müssen auch eine versteckte Gasflasche finden, die sich mit jeder verstrichenen Minute stärker erhitzt und zu explodieren droht. Stress pur. Während einer der beiden Männer die Brandherde löscht, sichert der zweite ständig den Rückzug. "Der Eigenschutz ist elementar, wir möchten ja nicht unsere Kameraden retten müssen", sagt Christopher Weseloh, der im Landkreis die Ausbildung für Atemschutzträger leitet.


Christian Leiberich: "So etwas wie die Crème de la Crème der Feuerwehr"

Zur psychischen Belastung kommt die physische. Die Hitze, der Atemschutz, das schwere Gerät (von der Axt bis zum Schlauch, der sich ständig irgendwo verklemmt): Wer nicht topfit ist und seine Leistungsfähigkeit regelmäßig überprüfen lässt, hat bei dieser Truppe keine Chance. "Die Atemschutzträger sind schon so etwas wie die Crème de la Crème der Feuerwehr", sagt Christian Leiberich.


"Sie müssen hart an ihrer Fitness arbeiten." Der Gang durch den Brandofen steht ganz am Ende ihrer Ausbildung. Im Keller der Feuerwache üben sie ansonsten an der Anlage des Kreises. Dort aber ohne echtes Feuer. Dafür mit der Menschenrettung. "Feuerwehrleute lernen ja, ein Gebäude zu lesen. Nicht nur, wenn wir Hinweise auf Kinder haben, gehört der Blick in den Schrank und unter das Bett in der brennenden Wohnung zur Routine. Denn nicht nur Kinder glauben leider, sich vor dem Feuer verstecken zu können", sagt Leiberich.

Zwei Durchgänge zu je acht Minuten dauert die Übung. Vom Leitstand aus verfolgen Ausbilder und Anlagetechniker den Ablauf an vier Monitoren und durch die zunehmend stärker beschlagenen Scheiben. Nach jedem Durchgang gibt es Tipps, werden Fehler angesprochen. In der Halle sorgen die erleichterten, aber sichtlich erschöpften jungen Männer aus Buchholz für Flüssigkeitsnachschub. Den jüngsten Durchgang der Übung, die zuletzt im Jahr 2011 stattfand, werden am Ende 420 Wehrleute absolviert haben. Das ist etwa die Hälfte aller Atemschutzträger des Landkreises. Im nächsten Jahr sind die restlichen an der Reihe. Sieben Ausbilder leisteten dazu 170 zusätzliche Arbeitsstunden.



Quelle: bz-online / Bild: B. Sommer

Aktualisiert (Montag, den 29. Oktober 2018 um 14:14 Uhr)