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Was bedeutet die Rauchmelderpflicht für die Feuerwehr?

Seit einem Jahr besteht die Rauchmeldepflicht im Land, flächendeckend müssen alle Wohnungen nachgerüstet sein. Wie wirkt sich das auf die Arbeit der Feuerwehr aus? Dazu Stadtbrandmeister Ralf Kesselring im Interview.

Bild: dpa

Seit einem Jahr gilt die Rauchmelderpflicht für sämtliche Wohnungen: In allen Schlaf- und Zugangsräumen müssen die kleinen Apparate an der Decke hängen, die auf Rauch reagieren und dann ein durchdringendes Geräusch von sich geben. Wie wirkt sich das auf die Arbeit der Emmendinger Feuerwehr aus? Sylvia-Karina Jahn sprach mit Stadtkommandant Ralf Kesselring – der gerade von einem Fehlalarm in einem Einkaufszentrum zurückkam.

BZ: Seit einem Jahr sollten Rauchmelder in allen Wohnungen installiert sein. Hat das aus Ihrer Sicht funktioniert?

Kesselring: Was wir so mitkriegen, schon. Und die daraus resultierenden Einsätze sind in den seltensten Fällen negativ:

Es gibt immer einen Grund. Durch eine automatisierte Branddetektion durch Brandmeldeanlagen und Rauchwarnmelder werden Menschenleben geschützt und größerer Brandschaden vermieden.


BZ: Aber immer wieder lösen Brandmeldeanlagen Fehlalarm aus, die Feuerwehr muss anrücken, nachgucken, ob nicht, wo der Rauch gemeldet wird, auch ein Feuer ist … Wie oft haben Sie solche Einsätze, die sich dann als überflüssig herausstellen?


Kesselring: Da muss man unterschieden zwischen Brandmeldeanlagen, wie sie in Firmen, Krankenhäusern und Pflegeheimen installiert sind, und zwischen Rauchmeldern in privaten Wohnungen. Bei den Anlagen gibt es einen gewissen Störfaktor, mal ist es ein technischer Defekt, mal geht ein Gerät nach zehn Jahren kaputt und das meldet die Anlage eben auch. Der Betreiber ist verpflichtet, die Anlage regelmäßig zu warten, aber auch dabei passieren Fehler; es wird mal vergessen, eine Einstellung wieder zurückzusetzen und der Alarm wird ausgelöst. Oder bei Bauarbeiten entsteht Staub, das hatten wir im Kreiskrankenhaus. Generell kann man sagen: Wenn eine Brandmeldeanlage losgeht, ist in den seltensten Fällen ein Brand die Ursache; die Anlage lässt sich oft täuschen, es gibt technische Defekte oder Fehlbedienungen. Bei privaten Rauchmeldern gilt dagegen immer: Wo Rauch ist, folgt auch Feuer.


BZ: Mir hat eine Frau erzählt, sie habe für ein Fest den ganzen Abend gebacken, alles brav abgestellt und sich müde schlafen gelegt. Gegen fünf Uhr früh weckte sie der Rauchmelder und das ganze Haus mit...Wie kann es vorkommen, dass Rauchmelder anspringen, obwohl keine Gefahr besteht? Reicht es beispielsweise, wenn eine Gesellschaft starker Raucher drin kräftig qualmt?

Kesselring: Ja, das reicht. Die Anlage unterscheidet ja nicht nach der Ursache, ihre Photozelle registriert nur die Verqualmung; das funktioniert wie eine Lichtschranke, die dann unterbrochen wird. Da ist es egal, ob es Zigarettenrauch oder Wasserdampf vom Spaghettikochen ist. Dennoch, die Anlagen erfüllen ihren Sinn und Zweck. Bei Hausrauchmeldern hatten wir noch nie einen Fehlalarm. Nur einmal haben uns Leute alarmiert, weil es in der Nachbarwohnung kräftig piepste und der Bewohner nicht da war. Da war allerdings ein vergessener Radiowecker die Ursache.

BZ: Können Sie sagen, wie oft im vergangenen Jahr Rauchmelder hier in Emmendingen Schlimmeres verhindert haben?

Kesselring: Eigentlich immer! Mittags zwischen 11 und 13 Uhr, wenn die Leute anfangen zu kochen, ist jeder zweite Hausrauchmeldealarm durch einen vergessenen Topf auf dem Herd ausgelöst. Aber wir hatten auch schon einen Kabelbrand – da kam der Rauch aus der Steckdose, das hätte sonst niemand bemerkt. Und Anfang 2015 gab es einen Wohnungsbrand, den die Familie, die geschlafen hatte, ohne Rauchmelder gar nicht mitgekriegt hätte – man darf sich gar nicht ausmalen, was da hätte passieren können. Auch hatten wir drei Mal Brandalarm in den Hochhäusern; einmal schlug die offizielle Hausanlage an, die anderen Brände wurden dank der Rauchmelder in den Wohnungen bemerkt.

BZ: Kommen Sie auch in Wohnungen, in denen noch keine Rauchmelder installiert sind – und wie reagieren Sie dann?

Kesselring: Das gibt es schon noch, aber es ist selten geworden, denn die Leute sind doch sensibilisiert dafür. Allerdings kontrolliert niemand diese Rauchmeldepflicht. Wenn sie aber nicht eingehalten wird, könnte das versicherungstechnische Folgen haben – das kann man den Leuten auch sagen.

 

Zur Person

Ralf Kesselring (42) leitet seit vier Jahren die Feuerwehr Emmendingen als Stadtkommandant. Der gelernte Werbekaufmann löste damals Karlo Rieth ab. Kesselring ist inzwischen Hauptbrandmeister.
Rauchmeldepflicht

Eigentümer und Vermieter sind verpflichtet, Rauchmelder zu installieren. Fehlen sie, kann im Brandfall ein strafrechtliches Verfahren folgen, wenn jemand verletzt wurde. Auch könnten Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen ihre Leistungen kürzen. Darauf weisen Versicherungen hin.

 

Quelle: BZ-Online / Bild: dpa